„Hiermit bewerbe ich mich…“ – kaum eine Einleitung taucht häufiger in Bewerbungsschreiben auf. Und kaum eine führt so zuverlässig dazu, dass ein Anschreiben unbeachtet bleibt. Denn Personalverantwortliche suchen längst nicht mehr nach Bewerbungen von der Stange, sondern nach Bewerbern, die ihre Motivation und Eignung authentisch und zielgerichtet darstellen können. Aber wie viel Individualität ist tatsächlich nötig – und wo wird sie sogar kontraproduktiv?
Warum Standards nicht mehr ausreichen
In Zeiten automatisierter Vorselektion, KI-gestützter Bewerbermanagementsysteme und hoher Bewerbungszahlen reicht es nicht mehr, einfach den Lebenslauf mit einem
„Begleitschreiben“ zu versehen. Wer sich auf eine Stelle bewirbt, konkurriert oft mit Dutzenden oder sogar Hunderten anderen – viele davon mit ähnlichen Qualifikationen. Was den Unterschied macht, ist Persönlichkeit. Und die zeigt sich nur, wenn das Anschreiben nicht nach Textbaustein klingt, sondern nach dem Menschen dahinter.
Ein überzeugendes Bewerbungsschreiben ist daher kein Platzhaltertext mit Austauschfeldern, sondern ein maßgeschneidertes Dokument. Es verbindet Fakten mit Persönlichkeit – und zeigt, dass man nicht irgendeine Stelle sucht, sondern genau diese.
Nicht jeder hat jedoch das sprachliche Geschick oder die zeitlichen Ressourcen, um sich intensiv mit Formulierungen und Positionierung auseinanderzusetzen. In solchen Fällen kann professionelle Unterstützung helfen – etwa durch erfahrene Bewerbungsschreiber, die genau wissen, worauf es bei einer individuellen und überzeugenden Bewerbung ankommt.
Die häufigsten Fehler im Anschreiben – und wie man es besser macht
Viele Anschreiben scheitern nicht an schlechter Grammatik oder fehlender Qualifikation, sondern an Austauschbarkeit. Typische Beispiele:
· „Mit großem Interesse habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen…“
→ Diese Einleitung ist austauschbar und sagt nichts über die Motivation aus. Besser: „Die Möglichkeit, meine Erfahrung im Projektmanagement gezielt in einem zukunftsorientierten Unternehmen wie Ihrem einzusetzen, hat mich sofort angesprochen.“
· „Ich bin teamfähig, belastbar und flexibel…“
→ Standardfloskeln ohne Beispiel oder Beleg wirken nicht glaubwürdig.
Besser: „In meiner letzten Position habe ich unter hohem Zeitdruck erfolgreich ein interdisziplinäres Team durch eine kritische Projektphase geführt.“
· „Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch freue ich mich sehr.“
→ Klingt höflich, aber nicht aktiv.
Besser: „Gerne überzeuge ich Sie im persönlichen Gespräch davon, wie ich mit meiner Erfahrung Ihre Projekte voranbringen kann.“
Diese kleinen Unterschiede machen in Summe den entscheidenden Unterschied. Ein starkes Bewerbungsschreiben bringt auf den Punkt, warum gerade diese Bewerbung auf diese Stelle Sinn ergibt – und gibt der Personalabteilung einen klaren Grund, die Bewerberin oder den Bewerber zu einem Gespräch einzuladen.
Drei Bereiche, die individuell sein müssen
Auch wenn es hilfreich ist, für wiederkehrende Bewerbungen mit einer Grundstruktur zu arbeiten, gibt es einige Abschnitte, die unbedingt auf die jeweilige Stelle angepasst werden sollten:
- Die Einleitung: Sie entscheidet darüber, ob das Anschreiben überhaupt weitergelesen wird. Statt mit Floskeln zu starten, sollte die Einleitung einen konkreten Bezug zum Unternehmen oder zur ausgeschriebenen Position Alternativ kann ein kurzer persönlicher Einstieg – etwa eine prägnante Geschichte aus dem beruflichen Werdegang – Aufmerksamkeit erzeugen.
- Die Motivation: Warum genau diese Position? Warum genau dieses Unternehmen? Diese Fragen sollte das Anschreiben überzeugend Allgemeine Aussagen wie „Ich suche eine neue Herausforderung“ oder „Ihr Unternehmen ist bekannt für seine Innovation“ sind zu beliebig. Besser sind konkrete Anknüpfungspunkte an die Werte, Projekte oder Herausforderungen des Unternehmens.
- Die Transferleistung: Der wichtigste Teil. Hier geht es darum, wie Ihre bisherigen Erfahrungen konkret auf die neue Position übertragbar sind – und welchen Nutzen das Unternehmen davon hat. Diese Passagen sollten spezifisch formuliert sein und nicht auf jedes beliebige Unternehmen übertragbar sein.
Individualität mit System – nicht Kreativität um jeden Preis
Individualität bedeutet nicht, besonders kreativ, flapsig oder extravagant zu schreiben – zumindest nicht in jeder Branche. Wer sich z. B. im Finanzwesen, im öffentlichen Dienst oder in einem konservativen Umfeld bewirbt, sollte auch in Sprache und Tonfall professionell und sachlich bleiben.
Stattdessen sollte das Ziel sein, mit klarem Bezug, relevanten Informationen und einer authentischen Darstellung zu punkten. Es geht also um Individualität mit System: Die Inhalte sollten zur Position, zum Unternehmen und zur eigenen Qualifikation passen.
Bewerbungsschreiben als Teil der Bewerbungsstrategie
Wer sich ernsthaft mit einer Position auseinandersetzt, zeigt das nicht nur im Anschreiben, sondern auch in der Auswahl der Unterlagen, in der Struktur des Lebenslaufs oder in der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch. Das Bewerbungsschreiben ist dabei oft der erste Beleg für diese Auseinandersetzung – und damit der erste Eindruck.
Wer sich damit schwer tut oder sich bei wichtigen Bewerbungen professionelle Unterstützung wünscht, sollte den Einsatz eines Bewerbungsexperten nicht scheuen. Denn wie in vielen Bereichen gilt auch hier: Wer früh in Qualität investiert, erhöht seine Chancen auf nachhaltigen Erfolg.
Fazit: Ein individuelles Bewerbungsschreiben ist kein Luxus – es ist der Schlüssel zur Aufmerksamkeit im Bewerbungsprozess. Zwischen überholten Standards und übertriebener Kreativität liegt die goldene Mitte: ein gut strukturierter, authentischer und auf die jeweilige Position zugeschnittener Text, der zeigt, wer man ist – und was man dem Unternehmen bringt.









